Kleine Geschichte der Kochtöpfe
Keine Kunst ist ohne den kulturellen Hintergrund der Kultur verständlich. Da bildet auch die Kochkunst und der damit verbundene Beruf des Kochs keine Ausnahme. Jede Epoche für sich mit ihren bedeutenden Ereignissen prägten die Baukunst, die musischen Künste... und auch die Kochkunst. Seit Menschen Gedenken gehörte die Nahrung zum Leben dazu... wie sollte der Mensch auch ohne überleben? Mit der Zeit jedoch entwickelte sich aus der Notwendigkeit und der Nahrungsvielfalt der bewusste Genuss.
Während der Antike
finden wir im klassischen Griechenland (800 bis 30 v. Chr.) die Ursprünge unseres heutigen Europas und seiner Zivilisation. Bereits der bekannte griechische Arzt Hippokrates war sich des Zusammenhangs von Nahrung und Gesundheit bewusst. Eines der bekannten überlieferten Zitate des "Vaters der Heilkunde" lautet:„Unsere Nahrungsmittel sollten Heilmittel,
unsere Heilmittel Nahrungsmittel sein.“ Er befürwortete kräftige Nahrung um die Gesundheit zu erhalten.
Auch die Römer (753 v. Chr. bis 476 n. Chr.), die gleich ein ganzes Weltreich begründeten und somit großen Einfluss auf viele Kulturen von Europa bis Nordafrika, vom Roten Meer bis zum Persischen Golf beeinflussten, sahen in den Griechen in vielen Künsten Lehrmeister. Durch ihre weite Verbreitung verhalfen sie auch dem Handel den Vorschub durch blühende Handelsmetropolen im Orient und dem Handel (neben Gold und Seide) mit Gewürzen.
Im Mittelalter
begann erneut in unseren Breiten die Suche nach ausgefallenen Delikatessen. Nachdem die Römer ihre Geheimnisse bereits lange zuvor preis gegeben hatten und die hinzugekommenen Nordländer keine wirklichen Innovationen im Genuss zu bieten hatten, waren es vor allem die Italiener die ihre Küche fortwährend verfeinerten und die neuen Rezepte und Erkenntnisse in der Welt "verteilten".
Die heute überlieferten Rezepte der Römer wurden wie auch andere Schätze verschiedenster Völker in den Klöstern des Mittelalters bewahrt. Die Mönche retteten Manuskripte, Rezepte und erweiterten dieses Wissen stetig.
Die Renaissance
(16. und 17. Jahrhundert) wird seit der griechischen Klassik als größte Kulturepoche gesehen und verbreitete sich nach 1500 von Italien aus nach ganz Europa. Da - wie bereits erwähnt - im italienischen eine der Wiegen der verfeinerten Kochkunst zu finden ist, wird verständlich, dass aus einer sich verbreitenden Atmosphäre des Forschens und Experimentierens in allen Bereichen auch die restliche europäische Esskultur diese Impulse aufnimmt, um ihre eigenen Küchen "voran zu bringen". Besonders ins Auge fällt dabei die Entwicklung der französischen Küche. Das im Jahr 1651 veröffentlichte "Le Cuisinier Francais" von Francois Pierre de la Varenne zeigt die deutliche Veränderung der französischen Küche seit dem Mittelalter.
Barock & Rokoko
machten die ersten Meisterköche berühmt als Botschafter der klassischen französischen Küche (17. und 18. Jahrhundert). Hier finden wir bereits viele Kochbücher mit Rezepten der Königshöfe und Fürstenhäuser Europas. Nachdem die französische Küche während der Regierungszeit Ludwig XV. (1710 bis 1744) ihren ersten Höhepunkt erreicht, werden viele Rezepte nach berühmten Leuten benannt und von großen Küchenchefs für die Feinschmecker der heutigen Zeit bewahrt.
Die Jahrhundertwende
brachte für die gesamte europäische Kulturgeschichte mit der französischen Revolution eine große Veränderung. Technik, Industrialisierung aber auch Tourismus waren nur einige der Folgen, die das 19. und die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts prägten. Auch diese Veränderungen spiegeln sich in der Kochkunst. Die ersten Speiserestaurants eröffnen in großen Städten, die Fürstenhäuser verlieren sozusagen das "Monopol der guten Küche" und teilen es fortan mit der bürgerlichen Oberschicht.
Auch die Köche dieser Zeit haben ihre Kunst zu Papier gebracht; das Nachschlagewerk der klassischen Küche "Le Guide culinaire" des Auguste Escoffier - eine der berühmtesten Köche seiner Zeit - gilt auch heute noch als Grundlage für die heutige Speisenzubereitung.
Die Neuzeit
erzwang vom Menschen eine Umstellung seiner Lebens- und Ernährungsweise. Während die Welt und damit die kulturgeschichtlichen Hintergründe immer näher zusammenrückten, so zieht auch die Globalisierung der Esskultur immer engere Kreise, nicht zuletzt beeinflusst von immer neuen Erkenntnissen zwischen Ernährung und Gesundheit.
Beispiele aus der Neuzeit sind die "Nouvelle Cuisine", die "Cuisine naturelle", die "Vollwertküche", "Ethno-Food" und viele andere, welche nicht nur durch neue Menügestaltungen sondern auch neue Herstellungsmethoden ihren Platz in der modernen Kochkunst gefunden haben.

